Blocktherapie

Neue Blogserie mit Thomas ...

„Ich bin Thomas, 36 Jahre alt und von Beruf Grafikdesigner. Von Geburt an begleitet mich eine infantile Cerebralparese (bedingt durch einen Sauerstoffmangel bei der Geburt) die sich in einer spastischen Lähmung (Überhöhte Spannung der Muskulatur) der Beine äußert. Die Fortbewegung im Alltag bestreite ich in einem Mix aus Gehen an Krücken und der Nutzung eines Rollstuhls.“

Gemeinsam mit Thomas stehen wir im Elithera Gesundheitszentrum nun vor einer neuen Aufgabe. Zusammen wollen wir die nächsten Wochen nutzen, um den größtmöglichen Effekt aus einer Blocktherapie zu ziehen. Hier treffen Physiotherapie, Ernährungscoaching, Ergotherapie und Sportwissenschaften zusammen. In ständiger Absprache miteinander versuchen wir Thomas dabei zu helfen, das Körpergewicht zu reduzieren, das Gangbild zu verbessern, die Rumpfkraft zu stärken und ihm ein neues Körpergefühl zu vermitteln.

„Den Höhepunkt meiner körperlichen Fitness, dank mehrmaliger wöchentlicher Physiotherapie und Ausdauertraining an Geräten, habe ich vor ca. 10-15 Jahren erreicht. Zu dieser Zeit war es mir möglich bis zu 20 Minuten an Unterarmgehstützen zu gehen und ich konnte die Notwendigkeit des Rollstuhls im Alltag auf wenige Bereiche begrenzen (bspw. längere, mehrstündige Ausflüge).

Zu dieser Zeit musste ich mein regelmäßiges Training, aufgrund temporärer Rückenschmerzen mit zunächst unklarer Ursache, vorerst unterbrechen. Leider habe ich nach dieser einjährigen Unterbrechung nie wieder den Anschluss gefunden.“

Die schwierigste Aufgabe der Blocktherapie besteht darin, den Patienten nicht zu überlasten und die effektivste Kombination aus allen Bereichen und somit den größtmöglichen Effekt zu erreichen. Eine so ganzheitliche Trainings- und Therapiekombination bietet sich für jedermann an.

„Stück für Stück haben die berühmten Ausreden das Zepter übernommen. Es gab in den letzten 10 Jahren viele Gründe, die vermeintlich wichtiger waren als das „Kümmern um den eigenen Körper“ – Studium, Beruf, Familie, Hausbau … Immer mit der Beruhigung: „Das klappt auch ohne Training – Ich habe ja sowieso keine Zeit!“

Das Ergebnis hat sich schleichend entwickelt, wie eine klebrige Fliegenfalle aus der man irgendwann nicht mehr herauskommt. Heute schaffe ich max. fünf Minuten an Unterarmgehstützen (bergab und mit Rückenwind), habe einiges an Gewicht zugelegt und bin auch ansonsten weit entfernt von dem was einmal war.“

Zusammen mit unserem Ernährungscoach arbeitet Thomas daran sein Gewicht zu reduzieren, so dass viele Bewegungen im Alltag erleichtert werden. Hier ist es vor allem wichtig auch eine langfristige Ernährungsumstellung zu erreichen.

„Abseits des mangelnden sportlichen Ausgleichs lag dies natürlich am vielen (auch berufsbedingten) Sitzen. Doch auch die oftmals ungesunde Ernährung, die sich über die Jahre in meinem Leben breit gemacht hatte, trug ihren Part zum Gesamtbild bei.

Der Rollstuhl ist mein ständiger Begleiter.

Die innere Stimme, die sagt: „Eigentlich kotzt dich das an – du willst doch was ändern!“ war schon lange da, aber den Weg an die Oberfläche hat Sie nicht gefunden und wenn doch, wurde Sie schnell mit Ablenkung zum Schweigen gebracht. Wie ein hässlicher Fleck auf der Tapete, über den man schnell ein Bild hängt.


Das Bild sprichwörtlich „von der Wand gerissen“ hat dann ein Testlauf im Lokomat, Anfang September 2020. Zu spüren, wie es wieder sein könnte… war wie ein machtvoller Tritt in den dicken Hintern! Plötzlich war Sie da, die Stimme die Rechenschaft forderte – Los steh auf, worauf wartest du? TU WAS DAGEGEN!“

Thomas verbringt durchschnittlich etwa 3-4 Stunden am Tag bei uns im Elithera Gesundheitszentrum.  Dabei beginnt er  bei unserer Ergotherapie zum Gehtraining im Lokomat. Dieser übernimmt, je nach Einstellung des Therapeuten, das Körpergewicht und hilft ihm so, ein natürliches Gangbild zu erarbeiten und dabei die Rumpfmuskulatur zu aktivieren. Dieses Training dauert bis zu einer Stunde an und je nach Forderung durch den Therapeuten, kann es für Patienten auch intensiver werden.

Wie sich Thomas dabei gefühlt hat und wie es ihm in der ersten Woche der Blocktherapie ergangen ist, erfahren Sie im nächsten Teil unserer Serie.

 

#gemeinsammehrerreichen

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